»Erst die Arbeit, dann das Vergnügen« heißt es bekanntlich im Volksmund. Selbstverständlich gilt dies auch für die eigene Hochzeit. Ehe man den Tag der eigenen Trauung feiern kann, gilt es, sich selbst als Organisationstalent zu beweisen. Die »Arbeit« beginnt dabei oft schon wenige Tage nachdem das »Ja«-Wort zum Heiratsantrag gegeben wurde – vor allem, wenn man in Berlin wohnt.

Zuerst der Behördengang

Denn ganz egal, ob man sich nun für eine kirchliche Trauung entscheidet oder nicht: Vor alle Freude über die eigene Hochzeit hat der liebe Herrgott (oder wer auch immer) das Standesamt gesetzt. Wer in Deutschland heiraten will, muss zunächst einmal aufs Amt und das Aufgebot bestellen. Und man mag es in modernen Zeiten mit ihren vielen neuen Familienkonstellationen und -modellen kaum glauben, aber gerade in der Hauptstadt ist das mit Aufgebot alles andere als ein einfacher Behördengang. Oder, wenn man so will: Er ist eben doch genau das.

Schlangestehen morgen um vier Uhr

Die Bürgerämter in Berlin haben nicht gerade den besten Ruf – was vor allem an Verfehlungen der Politik und weniger an den überarbeiteten Mitarbeitern liegt. Mal eben während der Öffnungszeiten beim Standesamt vorbei gehen und das Aufgebot bestellen? In Berlin ein Ding der Unmöglichkeit. Vor allem unbesetzte Stellen haben dazu geführt, dass die Beamten der Standesämter mit ihrer Arbeit irgendwann einfach nicht mehr nachkamen. Der Tagesspiegel berichtete hier im Februar von Heiratswilligen, die sich im Bezirk Mitte bereits morgens um vier Uhr anstellten, um überhaupt eine Chance auf eine Wartenummer zu haben.

Die Standesämter haben das Problem erkannt

Immerhin: Der Senat hat das Problem erkannt und arbeitet an einer Verbesserung. Neue Standesbeamte werden gerade ausgebildet und sollen so schnell wie möglich eingestellt werden. Bis es jedoch soweit ist, ist weiter Geduld gefragt. Die ersten Standesämter sind deshalb auch dazu übergegangen und bieten Sprechstunden nur noch mit Termin an. Die Wartezeit auf einen solchen Termin kann je nach Bezirk dann schon mal vier bis sechs Wochen betragen – wohlgemerkt auf einen ersten Termin, nicht auf die Trauung selbst.

Das richtige Standesamt

Hinzu kommt: Im Gegensatz zu so manch anderem Behördengang besteht in Sachen Hochzeit nämlich keine freie Ämterwahl. Hat man in Sachen Wohnungsanmeldung oder Passantrag die freie Auswahl, in welchem Bürgeramt man die entsprechenden Formulare ausfüllt und einreicht, ist man bei der Bestellung des Aufgebots an das Standesamt seines Wohnortes gebunden. Wer in Mitte wohnt, muss das Aufgebot in Mitte bestellen, wer in Friedrichshain oder Kreuzberg wohnt, muss für das Aufgebot in die Schlesische Straße. Einzig, wenn die zukünftigen Eheleute noch in unterschiedlichen Bezirken wohnen, hat man die Auswahl, welches der beiden Standesämter es denn dann sein soll.

Flexibilität ist gefragt

Geht es dann um den Termin der Trauung selbst, heißt es erneut: Entweder Sie bringen Geduld mit oder Sie sind terminlich flexibel. Eine standesamtliche Trauung an einem Samstag ist in Berlin jedenfalls für den Rest des Jahres nur noch schwer zu kriegen. Und wer dann doch noch einen Termin abkriegt, sollte sich auf eine Art Fließbandarbeit der Standesbeamten einstellen. Mehr als eine knappe Viertelstunde bleibt da oft nicht. Die wichtigsten Formalitäten, damit alles seine Ordnung hat und weiter geht’s – das nächste Paar wartet schließlich schon.

Machen Sie es sich schön

Spätestens an dieser Stelle sollte sich das Brautpaar die Frage stellen: Wollen wir uns das wirklich antun? Natürlich hat eine Trauung am Wohnort seine logistischen Vorteile und in vielen Fällen gilt das Hauptaugenmerk der Hochzeit eher der kirchlichen Trauung. Dennoch sei an dieser Stelle ausdrücklich darauf hingewiesen: Das Aufgebot bestellen kann man zwar ausschließlich am Standesamt seines Wohnortes – eine Pflicht, die Trauung auch von diesem Standesamt durchführen zu lassen, gibt es jedoch nicht. Sie können also auch ihre standesamtliche Trauung im Berliner Umland feiern und dort für einen angemessenen Rahmen sorgen. Schließlich soll ja nach all der »Arbeit« dann auch das Vergnügen folgen.